China White

In Rezensionen wird das China White teilweise als „bestes asiatisches Restaurant in Leipzig“ deklariert. Nachdem ich vor einigen Jahren das Mittagsangebot dort probiert hatte und nur mäßig begeistert war, ging es diesmal zu einem Test der inzwischen veränderten Abendkarte. Die Webseite verspricht (neben der Nennung der falschen Postleitzahl) frische Zutaten, hohe Qualität und flexibles Eingehen auf Sonderwünsche vor allem für Allergiker, bietet aber seit Kurzem keine Speisekarte mehr online an. Also auf zum Test vor Ort!

Beim Betreten des Restaurants zeigt sich sogleich, dass es sich beim China White um ein gehobeneres Lokal handelt. Alles ist sehr sauber, es gibt viele stilvoll gedeckte Tische, die sich teilweise auf einer Galerie, die über eine Treppe zu erreichen ist, befinden. Der Kellner kommt sofort, bietet uns einen Tisch an einem kleinen Aquarium an und bringt die Speisekarte.

Die Gerichte klingen sehr vielfältig, wobei ein Schwerpunkt auf Entengerichten liegt und ein weiterer auf der für asiatische Restaurants doch sehr umfangreichen vegetarischen Karte, die auch vegane Optionen bereithält. Außerdem wird nochmals betont, dass die Möglichkeit besteht, Komponenten, die nicht vertragen werden, auszutauschen. Dies klingt alles sehr gut und macht Lust aufs Essen. Die Preise sind jedoch eher in der höheren Klasse anzusiedeln, da bilden auch die vegetarischen Gerichte keine Ausnahme.

Wir entscheiden uns für ein als China White-Klassiker deklariertes Kung-Pao-Hühnchen, sowie das als Weltneuheit angepriesene Tofu Carpaccio. Kung-Pao-Hühnchen ist mir bereits aus verschiedenen Restaurants bekannt als ein Gericht, welches seinen Ursprung in Szechuan hat und heute weltweit verbreitet ist. Allerdings kam mir der Geschmack überhaupt nicht bekannt vor, zumindest nicht aus der asiatischen Sparte. Das Hühnchen und auch das Gemüse waren zwar frisch und statt Erdnüssen gab es die etwas höherwertigen Cashewkerne, aber die Soße konnte mich überhaupt nicht überzeugen. Trotz der vielversprechenden Farbe habe ich keinen Eigengeschmack erkannt, abgesehen von der reichlich vorhandenen Chiliwürzung. Das ist wirklich schade für einen solchen Klassiker (im China White und auch anderswo).

Kung-Pao-Hühnchen

Kung-Pao-Hühnchen

Immerhin war der Reis reichlich vorhanden, sehr angemessen auch für den Schärfegrad des Gerichts. Das Tofu Carpaccio bestach durch die hübsche Gestaltung der Speise auf dem Teller. Im Kreis wurden hauchdünne Tofuscheiben ausgelegt, die mit Salat aus verschiedenen Komponenten ergänzt wurden. Dazu gab es eine Beilage, die wir leider nicht genau identifizieren konnten, einen frisch ausgebackenen Riesenfladen, vermutlich aus Reismehl. Dieser knisterte noch, als er am Tisch ankam und zeugte so von der tatsächlich frischen Zubereitung des Gerichts. Obwohl optisch durchaus sehr ansprechend, enttäuschte auch beim Tofu Carpaccio der Geschmack. Der Tofu war etwas fad und hätte durchaus mehr Würze vertragen können; der Fladen bot neben dem Mehl und Öl keine großen Überraschungen. Auch dieses Gericht konnte den Erwartungen also nicht gerecht werden, obwohl es als beeindruckende Besonderheit auf der Karte (und dem Facebook-Account des Restaurants) gekennzeichnet war.

Tofu Carpaccio

Tofu Carpaccio

Ausgebackenes als Beilage

Ausgebackenes als Beilage

Wir überlegten schon, wie wir dem Kellner antworten, wenn er uns fragt, ob es geschmeckt hat. Zu dieser Situation kommt es jedoch gar nicht. Ein dem Status des Restaurants in bizarrer Weise widersprechendes „Fertig?“ ist zu hören, als unsere Teller leer sind. Wir bejahen, der Kellner räumt ab und beehrt unseren Tisch in der folgenden Dreiviertelstunde keines weiteren Besuches, obwohl wir fast die gesamte Zeit vor leeren Gläsern sitzen. Zum Zahlen kommt er schließlich doch noch. Wie die Situation aussieht, wenn das Haus voll ist, mag man sich angesichts dieser Vorkommnisse nicht ausmalen. Und – um zum Schluss noch ein ehrliches Wort loszuwerden – wie die anfangs erwähnten begeisterten Rezensionen zustande gekommen sind auch nicht.

Fazit:
Das China White erweckt vom äußeren Erscheinungsbild, den Formulierungen in der Speisekarte und den Preisen den Eindruck, hohen Ansprüchen mithilfe hoher Qualität gerecht zu werden. Mein Besuch dort stellte sich jedoch als Enttäuschung heraus. Geschmackloses Essen, unfreundliche Bedienung und dazu noch hohe Preise sind in diesem Fall alles andere als verlockend. Für offizielle Geschäftsessen, die vor allem auf die optische Komponente Wert legen sollen, scheint mir das Lokal wohl dennoch geeignet.

Fakten:

Name China White
Adresse Petersteinweg 17, 04107 Leipzig
Stadtteil Zentrum-Süd
Preisspanne Hauptgerichte ca. 8€ – ca. 20€
Barrierefreiheit ja, zumindest teilweise im unteren Restaurantteil (niedrige Stufe und enge Kurve am Eingang)
Sauberkeit sehr gut
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