Chinabrenner Teil 2: Abendessen

Den Chinabrenner habe ich ja bereits vor Kurzem besucht und dabei über das Mittagessen berichtet, von welchem ich durchaus begeistert war. Da das Abendessen aber im Gegensatz dazu à la carte angeboten wird und die Fotos und Erklärungen auf der Webseite des Restaurants Appetit und Neugier wecken, ruft dies nach einem zweiten Test. Der Bericht fällt etwas länger aus, es gibt viel zu erzählen.

Der Chinabrenner wirbt vor allem mit authentischer chinesischer Küche und bemüht sich auch offensichtlich, die Erfahrung des Einnehmens einer Mahlzeit authentisch zu gestalten. Aufgefallen ist mir dabei, dass die einzelnen Komponenten, wie etwa vom Feuertopf (dem chinesischen Äquivalent des Fondues) bekannt, auch einzeln serviert werden. Als Nicht-China-Erfahrener ist dies zunächst etwas ungewohnt.

Beim Betreten des Restaurants an einem Freitag Abend stellt es sich bereits als problematisch heraus, einen nicht vorbestellten Tisch für zwei Personen zu finden. Dass kein Personal zur Begrüßung oder Information bereitsteht, vereinfacht die Sache nicht gerade. Schließlich findet sich doch noch ein Plätzchen und der Kellner bringt die Karte. Diese ist ein auf einem Klemmbrett befestigtes Blatt, welches die angebotenen Gerichte und Kästchen zum Ankreuzen der Bestellung auflistet. Die Sortierung wird zwar erklärt (Fleisch links, vegetarisch rechts), stiftet aber Verwirrung, da sie nicht für die gesamte Karte zu gelten scheint. Außerdem wird empfohlen, ein warmes Hauptgericht (laut Aussage des Kellners mit Beilage serviert) und eine kalte Beilage zu bestellen. Wir bedanken uns und studieren das Angebot. Die Preise sind doch eher im höheren Niveau angesiedelt, ein Fleischgericht unter 10€ sucht man vergebens. Ich entscheide mich für Mapo Doufu (ein bekanntes Gericht der Szechuanküche, Hackfleisch und Tofu in einer recht scharfen Soße), meine Begleitung wählt die Fischgeschmack-Auberginen (welche übrigens keinen Fisch enthalten, sondern in einer Soße eingelegt sind, die geschmacklich an Fisch erinnert).

Als die Bedienung unsere Wahl begutachtet, empfiehlt sie, zusätzlich Reis zu bestellen, der offenbar beim Hauptgericht nicht dabei ist. Daraufhin stellt sich ein kleiner Schock ein, die beiden angebotenen Portionsgrößen sind doch sehr preisintensiv angesichts der Tatsache, dass es sich lediglich um eine Schüssel Reis handelt. Die mittlere Portion schlägt mit über 3€, die große mit über 5€ zu Buche. Wir entscheiden uns, eine große Portion zu teilen, was jedoch offensichtlich nicht die Zustimmung des Kellners findet. Er informiert uns, dass Reis ja nur als Beilage und nicht zum Sattessen gedacht sei und die Hauptgerichte auch eine ausreichende Menge haben. An diesem Punkt fühle ich mich doch etwas in die Ecke gedrängt, vertraue jedoch auf kompetente Beratung und wechsle zu einer mittleren Portion. Die Meinung des Personals ändert sich jedoch schlagartig, als sie erkennt, dass wir keine kalte Beilage zusätzlich bestellen. Offenbar wird das erwartet und Extrawünsche werden nicht gern erfüllt, was ich auch bemerke, als ich die Schärfe des bestellten Mapo Doufus meinem Geschmack etwas anpassen will.

Wir lassen uns nicht beirren und warten auf das Essen, welches nach einer angemessenen Zeit serviert wird. Die Menge zeigt, dass die Hauptgerichte wirklich nicht zum alleinigen Verzehr geeignet sind, allerdings sind die verwendeten Schüsseln optisch sehr schön und passend.

Mapo Doufu (Tofu der pockennarbigen Alten, mit Hackfleisch)

Mapo Doufu (Tofu der pockennarbigen Alten, mit Hackfleisch)

Fischgeschmack-Auberginen

Fischgeschmack-Auberginen

Die Fischgeschmack-Auberginen schmecken meiner Begleitung gut, bei meinem Mapo Doufu kann ich jedoch nicht von Zufriedenheit sprechen. Ich kenne das Gericht unter Verwendung von Seidentofu (eine kurze Googlesuche bestätigt mich in der Annahme, dass dies die übliche Zutat darstellt), im Chinabrenner wird dagegen normaler (festerer) Tofu gebraucht. Die Hackfleischstückchen sind zwar vergleichsweise zahlreich vorhanden, erwecken jedoch den Eindruck etwas liebloser Zubereitung. Mapo Doufu mag ich normalerweise sehr, da die Soße zwar sehr scharf ist, aber trotzdem als Geschmacksträger dient und das Essen damit ein beinah wohliges Gefühl hinterlässt. Diese Erfahrung konnte ich im Chinabrenner leider nicht machen. Die Soße war zwar sehr scharf (da nicht auf meine Bitte nach Milderung eingegangen wurde), mehr als das konnte ich darin jedoch nicht erkennen. Die versprochene Beilage bestand in einem kleinen Tellerchen mit Erbsen.

Da die Portionsgröße der Hauptgerichte nicht zu üppig war, bestellten wir später als Beilage kalte Süßkartoffelnudeln. Ich kannte dieses Gericht vorher nicht und kann daher keinen Vergleich anstellen. Mir kamen die Nudeln jedoch sehr hart vor und als Würzung diente neben einigen darübergelegten Kräuterblättern lediglich eine scharfe Soße. Im Laufe des Abends kam die Bedienung noch zweimal mit Süßkartoffelnudeln an den Tisch, obwohl wir nur eine Portion bestellt hatten. Aufgrund der Inkompetenz des Personals, der hohen Preise und der doch etwas enttäuschenden geschmacklichen Komponente hinterlässt der zweite Besuch des Chinabrenners keinen guten Eindruck. Schade!

Fazit:
Das Mittagsgericht im Chinabrenner weckt eine Begeisterung für die chinesische und vor allem die Szechuan-Küche, die die Abendkarte, die Personalsituation und die abends angebotenen Gerichte leider nicht bestätigen können. Widersprüchliche und teilweise falsche Beratung, mittelmäßiger Geschmack und angesichts dessen hohe Preise sind sehr bedauerlich für ein potentiell authentisches chinesisches Restaurant.

Fakten:

Name Chinabrenner
Adresse Gießerstr. 18, 04229 Leipzig
Stadtteil Plagwitz
Preisspanne Hauptgerichte ca. 9 – 16€ (Abendkarte, wechselndes Angebot)
Barrierefreiheit naja (mit viel gutem Willen über Steine und Schwellen im Hof)
Sauberkeit sehr gut
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